Manuskript an einen Verlag schicken: so geht es richtig
Der Roman ist fertig und soll jetzt zu einem Verlag. Im deutschsprachigen Raum läuft das nach einem ziemlich einheitlichen Muster ab, und das ist eine gute Nachricht: Was Verlage erwarten, steht auf ihren eigenen Seiten, und die Anforderungen ähneln sich stark. Der häufigste Fehler ist trotzdem immer derselbe, nämlich das komplette Manuskript unaufgefordert zu verschicken.
Kurz gefasst
Schick nie das ganze Manuskript. Verlage erwarten Anschreiben, Exposé und Leseprobe.
Der Versandweg steht in den Richtlinien: der dtv nimmt ausschließlich E-Mails an, bei Hanser gilt das nur für den Hanser Literaturverlag, während Hanser Berlin, hanserblau und Zsolnay postalisch beliefert werden.
Die Leseprobe umfasst je nach Verlag etwa 15 bis 30 Seiten (Hanser, dtv).
Die Normseite hat 30 Zeilen zu je 60 Anschlägen, also rund 1.800 Zeichen mit Leerzeichen.
Antwortfristen: zehn Wochen bei Hanser, maximal drei Monate beim dtv. Keine Antwort bedeutet Absage.
Ein seriöser Verlag verlangt niemals Geld von dir.
Wie schickt man ein Manuskript an einen Verlag?
Mit einem Paket aus drei Teilen, auf dem Weg, den der jeweilige Verlag in seinen Richtlinien nennt. Der dtv schreibt ausdrücklich, dass postalische Einsendungen nicht bearbeitet werden können, und nimmt Vorschläge nur per E-Mail an. Bei den Hanser Literaturverlagen gilt die elektronische Einsendung nur für den Hanser Literaturverlag selbst, während Hanser Berlin, hanserblau und Zsolnay ihre Einsendungen postalisch erwarten. E-Mail ist also der Normalfall, aber kein Automatismus.
Entscheidend ist der zweite Punkt: Du schickst nicht den Roman. Du schickst ein Anschreiben, ein Exposé und eine Leseprobe. Der dtv formuliert es direkt so, und Hanser bittet um ein kurzes Exposé plus etwa 15 Seiten Leseprobe.
Wer stattdessen 400 Seiten anhängt, signalisiert in der ersten Sekunde, dass er die Einsendungsrichtlinien nicht gelesen hat. Die praktische Folge ist, dass die Datei nicht geöffnet wird.
Was gehört in die Einsendung?
Drei Dokumente, und zwar in dieser Reihenfolge.
Anschreiben, maximal eine Seite. Wer du bist, was du geschrieben hast, warum du dich an genau diesen Verlag wendest. Nüchtern, ohne Werbesprache.
Exposé, üblicherweise zwei bis vier Seiten. Es erzählt die Handlung vollständig, einschließlich Ende, und ordnet das Buch ein: Genre, Umfang, Zielgruppe, vergleichbare Titel. Bei Sachbüchern gehört ein Inhaltsverzeichnis dazu (dtv).
Leseprobe, in der Regel der Anfang des Buchs. Der dtv nennt maximal 30 Seiten, Hanser etwa 15 Seiten. Im Zweifel die kleinere Zahl nehmen.
Das Exposé ist das Dokument, das über alles Weitere entscheidet, und es ist kein Klappentext. Es baut keine Spannung auf, sondern legt offen, wie die Geschichte funktioniert und wie sie ausgeht. Eine Lektorin muss daraus erkennen können, ob das Buch trägt. Wie du es aufbaust, steht in der Anleitung zum Exposé.
Originale schickst du nie. Hanser weist ausdrücklich darauf hin, dass Manuskripte weder aufbewahrt noch zurückgeschickt werden und der Verlag keine Haftung übernimmt.
Die Normseite als Standardformat
Die Normseite ist die standardisierte Manuskriptseite des Buchmarkts: 30 Zeilen zu je höchstens 60 Anschlägen, also etwa 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen. Der Begriff Anschlag stammt aus der Schreibmaschinenzeit und meint jeden Buchstaben, jedes Satzzeichen und jedes Leerzeichen.
Um den Umfang deines Romans in Normseiten zu bestimmen, nimmst du die Zeichenzahl mit Leerzeichen aus deinem Schreibprogramm und teilst sie durch 1.800. Die Seitenzahl im Dokument hilft dagegen nicht weiter, weil sie sich mit jeder Schriftgröße ändert.
Zwingend vorgeschrieben ist die Normseite nicht, aber Exposé und Leseprobe in diesem Format zu liefern, hinterlässt bei Lektorinnen und Lektoren den besseren ersten Eindruck. Üblich sind dazu eine klassische Schrift in 12 Punkt, anderthalbfacher oder doppelter Zeilenabstand, durchgehende Seitenzahlen und eine Kopfzeile mit Name und Titel.
Und die Regel, die alle anderen schlägt: Wenn die Einsendungsrichtlinien eines Verlags etwas anderes vorgeben, gilt immer der Verlag.
An welche Verlage soll man das Manuskript schicken?
An die, die vergleichbare Bücher machen. Und das lässt sich nachlesen: Hanser nennt die Gattungen, die gar nicht erst geprüft werden, darunter Fantasy, Science-Fiction, Comic, Bilderbuch, Ratgeber, Kochbuch und Theaterstücke.
Der praktische Weg dorthin führt über das Programm der letzten zwei bis drei Jahre. Suche zwei oder drei Titel, die deinem Buch in Genre, Ton und Umfang ähneln. Findest du keinen, ist es der falsche Verlag, so gern du seine Bücher auch liest. Findest du welche, hast du gleichzeitig den Inhalt deines Anschreibens, weil du präzise sagen kannst, warum dein Buch in dieses Programm gehört.
Achte auch auf die Adresse innerhalb des Verlags. Der dtv unterhält getrennte Postfächer für Belletristik, Sachbuch und Kinder- und Jugendbuch, und bei Hanser hat jedes Imprint seinen eigenen Weg. Die falsche Adresse kostet Wochen.
Mittlere und kleine Verlage lohnen sich zusätzlich, weil sie weniger Einsendungen bekommen und entsprechend aufmerksamer lesen.
Wie lange dauert die Antwort eines Verlags?
Zwischen zehn Wochen und drei Monaten, und Schweigen ist die Absage.
Hanser formuliert es unmissverständlich: Wer innerhalb von zehn Wochen keine Antwort erhält, soll das als Absage betrachten. Der dtv prüft Projektvorschläge innerhalb von maximal drei Monaten und weist darauf hin, dass individuelle Rückmeldungen bei dieser Menge an Einsendungen nicht möglich sind.
Das ist der Teil, der am meisten zermürbt, und er lässt sich nicht verhandeln. Nachfragen per Telefon oder E-Mail beschleunigen nichts und werden in den Richtlinien ausdrücklich nicht gewünscht.
Während du wartest, kannst du weitere Verlage anschreiben. Mehrfachbewerbungen sind üblich, solange ein Verlag nichts anderes verlangt.
Braucht man eine Literaturagentur?
Nötig ist sie nicht, hilfreich oft schon. Anders als im englischsprachigen Raum nehmen die meisten deutschsprachigen Publikumsverlage weiterhin direkte Einsendungen entgegen, wie die Richtlinien von dtv und Hanser zeigen.
Eine Agentur kennt die Programme, weiß, welche Lektorin gerade was sucht, und verhandelt später den Vertrag. Dafür musst du die Agentur mit demselben Paket überzeugen, das du auch einem Verlag schicken würdest, und die Auswahl dort ist ähnlich streng.
Seriöse Agenturen verdienen an einer Beteiligung von üblicherweise 15 Prozent an den von ihnen vermittelten Verträgen. Wer vorab ein Lesehonorar oder eine Bearbeitungsgebühr verlangt, arbeitet nicht nach den Gepflogenheiten der Branche.
Woran erkennt man einen Druckkostenzuschussverlag?

Daran, in welche Richtung das Geld fließt. Ein Zuschussverlag lässt sich die Veröffentlichung vom Autor bezahlen und trägt damit kein wirtschaftliches Risiko, hat also auch keinen Grund, ein einziges Exemplar zu verkaufen.
Die Warnsignale sind immer dieselben:
Geldforderungen in irgendeiner Form: Druckkostenbeteiligung, Abnahme einer bestimmten Stückzahl, Marketingpaket. Die Summen reichen schnell in den vierstelligen Bereich.
Anzeigen mit Autorensuche: Ein etablierter Verlag muss nicht um Manuskripte werben, er bekommt täglich mehr als genug.
Eine begeisterte Zusage nach wenigen Tagen, voller Lob und ohne eine einzige inhaltliche Anmerkung. Eine echte Prüfung dauert Wochen bis Monate.
Bestsellerversprechen und detaillierte Werbezusagen, die im Vertrag dann nicht verbindlich auftauchen.
Der Unterschied ist kein moralischer, sondern ein vertraglicher. Selfpublishing ist noch einmal etwas anderes und völlig legitim: Dort weißt du, dass du eine Dienstleistung einkaufst, und behältst Rechte und Margen.
Häufige Fragen
Darf man dasselbe Manuskript an mehrere Verlage schicken?
Ja, Mehrfachbewerbungen sind üblich, sofern ein Verlag nichts Gegenteiliges vorgibt. Bei Antwortfristen von zehn Wochen bis drei Monaten wäre das Vorgehen nacheinander praktisch aussichtslos.
Wie viele Seiten umfasst die Leseprobe?
Je nach Verlag etwa 15 bis 30 Seiten, beim dtv maximal 30, bei Hanser rund 15. Nimm im Zweifel den Anfang des Romans und nicht eine Stelle aus der Mitte.
Muss man das Urheberrecht vor dem Einsenden anmelden?
Nein. In Deutschland, Österreich und der Schweiz entsteht das Urheberrecht mit der Schöpfung des Werks, ganz ohne Registrierung. Verlage verlangen bei der Einsendung keinen Nachweis.
Wie lang soll das Exposé sein?
Üblich sind zwei bis vier Seiten. Es schildert die Handlung vollständig inklusive Ende und ordnet das Buch in Genre, Umfang und Zielgruppe ein.
Per E-Mail oder per Post?
Meistens per E-Mail, aber es hängt vom Verlag und sogar vom einzelnen Imprint ab. Der dtv bearbeitet postalische Einsendungen gar nicht. Bei Hanser nimmt nur der Hanser Literaturverlag elektronisch entgegen, Hanser Berlin, hanserblau und Zsolnay dagegen postalisch.
Fazit
Ein Manuskript einzusenden ist ein Verfahren und kein Glücksspiel. Drei Dinge entscheiden, und sie werden fast immer übersehen. Die Richtlinien des einzelnen Verlags lesen und genau befolgen. Verlage auswählen, die wirklich Bücher wie deins machen. Anschreiben, Exposé und Leseprobe schicken, nicht den ganzen Roman.
Beim Rest hilft nur, sich früh damit abzufinden. Die Fristen sind lang, Schweigen ist die häufigste Antwort, und keines von beidem sagt etwas über das aus, was du geschrieben hast.
Zur Vorbereitung des Textes siehe auch wie viele Wörter ein Roman haben sollte und wie man einen Roman organisiert.
Quellen
dtv Verlag, Schicken Sie Ihr Manuskript, abgerufen am 2026-09-16, https://www.dtv.de/verlag/ueber-dtv/manuskripteinsendungen
Hanser Literaturverlage, Manuskripteinsendung, abgerufen am 2026-09-16, https://www.hanser-literaturverlage.de/manuskripteinsendung
Kahawa Verlagsdienstleistungen, Druckkostenzuschussverlag, abgerufen am 2026-09-16, https://www.kiakahawa.de/druckkostenzuschussverlag
Selfpublisher-Verband, Lieber Selfpublishing als Druckkostenzuschussverlag, abgerufen am 2026-09-16, https://www.selfpublisher-verband.de/lieber-selfpublishing-als-druckkostenzuschussverlag/
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